Podiumsdiskussion

Das Podium 2013: Schöpfung oder Schicksal

Opfer oder Täter

Bin ich Opfer oder Täter? Wenn es mir gut geht oder schlecht geht, wer oder was ist daran schuld – ich selbst, jemand anders oder die Umstände? Die Podiumsdiskussion am Pfingstsamstag (18. Mai) auf dem Rainbow-Spirit-Festival 2013 in Karlsruhe versammelt vier prominente Vertreter verschiedener spiritueller Ansätze, die darauf zum Teil einander sehr widersprechende Antworten geben.

mehr über die Teilnehmer in Kürze hier !

Die Diskussion wird von Wolf Schneider moderiert, dem Herausgeber der Zeitschrift Connection Spirit

 

Schöpfung oder Schicksal

Das Opfer/Täter Dilemma

Sind wir unseres eigenen Glückes Schmied oder unserem Schicksal ausgeliefert? Diese Frage hat die Menschen seit je beschäftigt. Steht es in einer der Palmblattbibliotheken in Südindien, wie mein Leben verlaufen wird? Oder etwa in meinen Handlinien geschrieben, oder in meinem Geburtshoroskop? Etwas moderner gefragt: Sind es meine Gene, die über mein Leben bestimmen oder meine frühkindliche Konditionierung – oder beides? Neuerdings behaupten Gehirnforscher sogar, meine Muskeln hätten schon eine Entscheidung getroffen – zu gehen, zu tun, zu sprechen – bevor mein Gehirn überhaupt den Wunsch dazu formuliert, was ja bedeuten würde, dass es entscheidet, bevor ich überhaupt die Illusion entwickeln kann, der Täter meiner Handlungen zu sein. Was können wir überhaupt willentlich tun? Dagegen halten die Vertreter des positiven Denkens mit ihrer Überzeugung, dass wir mit positiven Gedanken uns eine positive Welt erschaffen können, angefangen vom herbeigewünschten Parkplatz bis zum Lebens- und Seelenpartner und sogar über den Tod hinaus zu einer anderen, besseren Existenz. 

Wenn es wirklich so ist, dass soziale Umstände, die genetische Ausstattung oder gar Gott (alias der Fluss des Lebens) bestimmen, was mir widerfährt, welchen Sinn hat dann überhaupt noch eine Rechtsprechung, die einem Täter eine Schuld zuweist und sein Opfer davon freispricht? Wie gehen wir dann aber mit Vergewaltigern um, die sich damit rausreden, ihr Opfer habe sich so provozierend verhalten und die Übergriffe eigentlich gewollt und somit selbst verschuldet?

Wer als Opfer und wer als Täter bezeichnet wird, ist nicht nur eine philosophische Frage. Ob wir sie mit Verweis auf Gottes Allmacht oder auf das freie Schöpfertum des Menschen beantworten, ist nicht nur eine intellektuelle Spielerei, sondern es hat mächtige Konsequenzen für die Rechtssprechung und unser gesamtes soziales Leben. Nicht zuletzt auch für unser Lebensgefühl: Kann ich überhaupt etwas tun? Was für ein Sinn hat es, mich anzustrengen? Bin ich Treiber oder Getriebener, Täter oder einer, dem etwas angetan wird? Bin ich Schöpfer oder Erschaffener – oder beides?