Podiumsdiskussion

Podium 2014 in Karlsruhe

Burn-out – was steckt wirklich dahinter?

In der heutigen Zeit laufen Menschen – bedingt durch die zunehmend verschärfte Konkurrenzsituation der Wirtschaftsunternehmen – immer häufiger ins mittlerweile wohlbekannte Burn-out Syndrom. Erschöpft und ausgebrannt machen sie weiter bis hin zum totalen Zusammenbruch, knapp davor oder knapp danach.
Was sind die äußeren und inneren Ursachen? Und ist dies nur eine unerwünschte „Panne“ oder kann dies eine Möglichkeit sein für persönliche Transformation, Selbsterkenntnis oder gar spirituelles Erwachen?
Die Ursachen scheinen klar: Aus weltlicher Sicht sind die Unternehmen in verschärfter Konkurrenz und in einer systembedingten Gewinnfalle gelandet, kämpfen selbst ums Überleben, brennen aus, durch den Markt oder durch die Verlustangst oder Gewinngier der Eigentümer und Aktionäre. Und gar nicht so selten sind es auch Selbstständige, die sich selbst und ständig körperlich ausbeuten, Raubbau an Energie und Gesundheit betreiben, sei es auch hier einfach nur der Kampf ums nackte Überleben, oder sei es die Gier nach mehr, mehr und immer mehr.
Für den Einzelnen ist aber letztlich gleich gültig, ob er Opfer anderer ist, Opfer von Systemen oder Opfer seiner selbst. Irgendwann kommt einfach der Zusammenbruch: „Ich kann nicht mehr“. Die zur Verfügung stehende Energie wurde ausgenutzt, ausgeschöpft, das Energiekonto restlos „überzogen“, auch die geistigen Kräfte ausgelaugt und ausgepresst wie eine Zitrone. Keine Ressourcen mehr vorhanden, „Rien ne va plus“, nichts geht mehr.
Die Erfahrung vieler spirituell orientierter Menschen zeigt aber auch noch etwas anderes: Da ist einmal „das Ganze“ selbst, welches eben a l l e s ist, also auch die sogenannte „böse böse Welt“, die uns da (scheinbar) versklavt. Und ist ja alles gleichzeitig auch „blöderweise“ Gott. Das Universum. Existenz. Das ungetrennte Eine. Das Selbst selbst. Hier lauert also das erste „Aha“.
Könnte es gar sein, dass der Burnout auch eine Einladung ist, eine Gelegenheit? Eine Gelegenheit, um nun endlich loszulassen? Was würde geschehen? Welche (Existenz-) Ängste kommen da hoch? Wie fühlen sie sich an? Kann man sie fühlen, dabei bleiben, annehmen? Sich dem.... ja DEM... stellen?  Könnte es eine Einladung sein zur endgültigen Hingabe? Ein großes sich bildendes „Ich ergebe mich, dein Wille geschehe“?
Wie kann man diesen Satz „Ich kann nicht mehr“ drehen? Wer kann da nicht mehr? Das „Ich“? Kann nicht mehr? Und ist nicht gerade dies das Ziel vieler spiritueller Wege? Die Aufgabe des Ichs, die Aufgabe der Kontrolle? Das Ende des Festhaltens an einem Status Quo, noch dazu an einen krankmachenden Status Quo? Das herbeigesehnte automatische Ende des Hamsterrads? Oder wollte man wirklich ewig so weitermachen?
Oder der Satz: „Nichts geht mehr“. Das Nichts ist also dann das Einzige, was noch geht? Der letzte „Ausweg“? Die einzige Chance?
Was passiert, wenn wir uns radikal fallen lassen? Radikal zurückziehen, in uns selbst? Alle Gefühle annehmen, nichts mehr weghaben wollen. Und einfach fühlen und spüren, was auch immer gespürt werden möchte, die Ängste, die Ohnmacht, alles. Und hier sein. Das einzige, was dann noch „geht“. Was immer geht. Hier im Jetzt. Egal, was auch immer „da draußen“ dann geschehen mag, mit allen Konsequenzen annehmen.
Die Erfahrung zeigt, dass dann Wunder geschehen. Dass im Loslassen Türen aufgehen, die zuvor nicht gesehen wurden. Das Raum geschaffen wird für Neues, Nährendes, Freudvolles. Sich der Leere hingeben, kann eine Einladung für die Fülle sein, sich in diese Leere zu ergießen. Und selbst diese Leere allein ist schon genug, ist ewiger weiter Raum. Erholsam. Für Geist, für Seele, für den Körper, der seine Batterien wieder füllen kann, angeschlossen an das unendliche Nichts, das nichts will und einfach nur ist. Einfach hier, einfach jetzt, fallen lassen, radikal. Mehr braucht es nicht. Ein Nach-Hause-Kommen zu sich selbst. Jenseits aller selbst- oder fremdgeträumten Träume. Also: Vom Burn-out zum Burn-in?
(Text von Edgar OWK Hofer: www.owk-satsang.de)

Devasetu, der Moderator schreibt dazu:
In unserem Podiumsgespräch wollen wir uns diesen Fragen nähern, wobei wir offen für die Antworten auf der Ebene der Sprache sein wollen, aber auch auf die Antwort, die in unserem Zusammen-Sein selber liegt, indem, was sich genau dann offenbart, wenn wir dort zusammen sind, alle, die Teilnehmer und die Besucher, alles, was in die Situation hineinspielt. Diese Veranstaltung heißt bewusst Podiumsgespräch und nicht Podiumsdiskussion, weil es um Austausch, ein Sich-auf-einander-Beziehen und Zusammenfließen geht, nicht um Konfrontation.
Teilnehmer sind: Sinchota, Evelin Rosenfeld, Madhukar und Karl Gamper.