Podiumsdiskussion

Text - v. Katharina Ceming

Spirituelle Arroganz

Arroganz und Spiritualität, sind das nicht zwei sich ausschließende Begriffe? Ist ein spirituelles Leben nicht der beste Antrieb, Arroganz hinter sich zu lassen? In den meisten spirituellen Traditionen ist man davon bis heute überzeugt. 

Wer sich in der spirituellen Szene umsieht, wird allerdings immer wieder mit Menschen konfrontiert, deren Ego nicht kleiner, sondern größer zu werden scheint. Interessanterweise ist das nicht nur unter den Schülern, sondern auch unter den Lehrenden so. Handelt es sich hier um ein neues Phänomen, oder fiel uns das bis dato nur nicht auf? Vermutlich Letzteres, denn Jahrtausende lang hatten Schüler (Schülerinnen gab es eh kaum,) mit Beginn des spirituellen Weges ihren Willen und ihre Persönlichkeit in die Hände des Lehrers zu übergeben. Sinn dieser Übung war es, den ego-fixierten Willen des Schülers zu brechen oder zu transformieren. So weit so gut. Heute wissen wir jedoch, dass Macht, die nicht kontrolliert wird, allzuleicht leicht aus dem Ruder läuft. Unerfreulicherweise trifft dies auch auf den spirituellen Bereich zu. Zu viel Verehrung und Willensüberlassung steigt anscheinend manchmal in den leer meditierten Kopf. 

Der Grund dafür liegt wohl darin, dass die spirituelle Entwicklung nicht automatisch den Menschen in seinem gesamten Dasein besser macht. Wer die Bewunderung der anderen immer schon genossen hat, wird sie, wenn er sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, auch auf dem spirituellen Weg weiterhin genießen. Und weil die Schüler ihre eigenen Sehnsüchte auf den Lehrer projizieren, werden sie betriebsblind für die Macken ihres Lehrers, die sie durch ihre Projektionen munter weiter nähren: Die Zentren werden größer, die Autos mehr, die Konten dicker und leider auch die Zahl derer, die erfahren müssen, dass ihre in der Regel männlichen Meister auch nur ganz normale Männer sind, mit zum Teil recht großem Appetit auf Frischfleisch.