»Solange du gegen mich kämpfst, werde ich immer auf der anderen Seite stehen und dir einen Grund zum Kämpfen geben. Geben müssen.«   (Der Teufel aus »One«) 

 

Man sagt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Angst. Und ich denke, das ist richtig. Denn Angst entsteht durch Trennung. Durch Trennung von Menschen, von Wünschen, von Situationen, von Zukunft und von Wissen. Würdest du dich von alldem nicht getrennt fühlen, würdest du nie Angst haben. Wüsstest du, dass du mit allen Menschen verbunden bist (mit ihnen EINS bist), würdest du nicht um sie bangen. Wüsstest du, dass du von Wünschen und Situationen/Umständen nicht getrennt bist, sondern Einfluss auf sie hast (durch dein Sein), hättest du keine Sorgen. Wüsstest du, dass du von der Zukunft nicht getrennt bist, weil sie genau hier und genau jetzt existiert, würdest du nicht bangen. Und wüsstest du, dass du mit allem Wissen verbunden bist, jetzt und hier, wärst du im Frieden. 

 

Angst ist das Gegenteil von Liebe, weil Liebe = Einheit bedeutet und Angst = Trennung. Aber diese Gegensätze sind in Wirklichkeit nur eine Illusion, genauso wie die Trennung nur eine Illusion ist. 

Ein Gegenteil von Liebe kann nicht existieren, wenn alles Eins ist. Denn auch die Trennung würde dann zu diesem Einen dazu gehören. Was sollte es Anderes geben, als das Eine? Nur das scheinbare Nicht-Eine – und das ist die Illusion. Das ist das Spiel, das wir hier spielen. Und wir spielen es, um zu erkennen, wer und was wir sind: Eins/One. 

 

Angst ist kein Feind. Angst zeigt uns nur, wo wir Trennung empfinden. Und es ist okay, diese Trennung zu fühlen. Nicht-Eins zu sein – daraus besteht dieses Leben. Es ist normal, dass ich mich von der 

Tastatur getrennt fühle, denn sonst könnte ich sie nicht bedienen. Und es ist normal, dass ich mich von einem Menschen in gewissem Maße getrennt fühle, denn sonst könnte ich ihm keine Zuneigung schenken oder ihn berühren. Wäre ich mit dir Eins, könnte ich dir diese Zeilen nicht schreiben. Ich könnte dir meine Sicht der Dinge nicht in Worten darlegen, so dass du sie für dich überprüfen könntest. Es gäbe keine Individualität von uns beiden. Was ich wahrnehme, würdest du unmittelbar ebenso wahrnehmen. Wir hätten keine zwei Körper, keine zwei Leben, keine zwei unterschiedlichen Erfahrungen. Das Spiel auf dieser Welt ist das Spiel der Trennung von Liebe/Einheit und Nicht-Liebe/Trennung. Dabei ist die Nicht-Liebe/Trennung aber nicht das Gegenteil von Liebe, sondern nur ein Nichtwahrnehmen der Einheit. Und das ist okay. 

 

Nicht okay ist es erst, wenn wir unter der Trennung leiden. Und dies geschieht oft, wenn wir Angst haben. Angst ist eine sehr niedrige Schwingung – womöglich die niedrigste. Sie lässt uns wie kaum ein anderes Gefühl die Trennung spüren. Die Trennung von uns selbst – von unserem wahren Selbst. Angst zu haben, ist in Ordnung. Aber die Angst verschwindet sofort, wenn wir die Illusion erkennen. 

 

In meinen Geschichten stelle ich diese Angstfreiheit durch Personen dar, die in einer höheren Bewusstseinsebene leben. Menschen, die in vollem Kontakt und voller Verbundenheit mit dem Wissen sind, mit der Welt, mit sich selbst und anderen Wesen. Sie spüren diese Trennung nicht so stark wie wir und deshalb spüren sie keine Angst. Nur manche von ihnen rutschen in diese Angst noch manchmal hinein und ich mag es, dieses Abrutschen, also dieses Fallen von der Einheit in die Trennung in einer Geschichte/einer Szene darzustellen, weil man dabei miterleben kann, wie dies geschieht. Man kann deutlich erkennen, wodurch Angst entsteht. Erst, wenn wir uns getrennt fühlen, fürchten wir uns. Wenn die Zukunft ungewiss ist, wenn wir um andere Menschen bangen, wenn wir nicht wissen, fürchten wir uns. Könnten wir mehr sehen, so wie die Menschen in meinen Geschichten, hätten wir keinen Grund zur Sorge. Wir würden erkennen, warum manche Dinge geschehen und könnten sie dadurch besser akzeptieren. Wir könnten die Zukunft sehen, sehen und wahrnehmen, wie es anderen Menschen geht, wir könnten die Erfüllung unserer Wünsche sehen und was dazu führen wird und wir wüssten, wie groß, unendlich und mächtig wir eigentlich sind. Doch da uns vieles (noch) verborgen ist, haben wir Angst. Und das ist in Ordnung. 

 

Angst ist nichts, das bekämpft werden kann. Ein Kampf gegen ein negatives Gefühl, verstärkt es noch. Denn ein Kampf ist ein intensiver Fokus. Im Zitat am Anfang des Textes zeigt sich diese einfache Regel: Solange wir gegen die Angst kämpfen, muss sie bleiben. Erst, wenn wir uns der Angst stellen, sie als Teil von uns annehmen und erkennen, warum sie überhaupt da ist, wird sie schwächer. Verschwinden kann sie jedoch erst, wenn wir sie durch Liebe/Einheit ersetzen. Der Einheit mit den Menschen, Einheit mit uns selbst, Einheit mit dem Wissen, das tief in uns liegt und der Einheit mit der Welt. Das können wir. Und ich denke, dazu sind wir auch hier. Um zu erkennen, dass wir mit allem verbunden sind und uns nicht fürchten müssen. Wenn wir erkennen, dass wir Eins sind, aber trotzdem niemals unsere Individualität aufgeben, leben wir wie die Götter in meinen Geschichten. Wir sind getrennt und gleichzeitig verbunden. Sowohl als auch. 

 

In dieser Welt, die schon seit so vielen Jahrhunderten auf Ego-Strukturen und Trennung aufgebaut wurde, ist es schwer zu begreifen, dass wir sowohl getrennt als auch verbunden sein können. Unser Verstand denkt meist in »entweder-oder« und nicht in »sowohl-als auch«. Doch dieses »sowohl-als auch« ist die Brücke, die zur Selbst-Erkenntnis führt. Wir sind hier, als individuelle Wesen, um die Einheit zu spüren. Wir könnten diese Einheit nicht spüren, wären wir nicht (scheinbar) von ihr getrennt. Dies ist eine Reise – eine Reise zu uns selbst, auf der unsere größte Herausforderung zur Zeit ist: In der Trennung die Einheit zu fühlen. In der Angst die Liebe zu finden. Und im Bangen das Wissen. Es ist nicht weit entfernt. Es ruht in dir. Und wartet auf seine Entdeckung. 

 

Nina Nell ist seit 2009 Autorin spiritueller Romane und Sachbücher. Mit der Euphoria-Reihe hat sie eine spannende Abenteuergeschichte als Fabel erschaffen, in der sie spirituelle Inhalte wie »das Gesetz der Anziehung« und »die Erkenntnis des Selbst« vermittelt. In »One« bzw. den »Herzromanen« widmete sie sich dem schwierigen aber spannenden Thema der Polarität und Einheit. 

Nina Nell lebt und arbeitet in Hannover und produziert zusätzlich Meditationsreisen, Kurse und andere unterstützende Inhalte im Hörformat. Auch ist sie professionelle Künstlerin und kreiert Schmuck, Karten und Skulpturen zu ihren Geschichten. Unter anderen Pseudonymen schreibt sie für andere Zielgruppen. Seit 2009 schrieb sie ca. 40 Bücher und produzierte ebenso viele MP3s. 

Weitere Informationen zur Autorin findest du auf ihrer Webseite

Mehr Infos: www.euphoria-lane.de